Sachsens erste Schmalspurbahn


Seit der deutschen Wiedervereinigung scheint auch das Interesse der Eisenbahnfreunde an den sãchsischen Schmalspurbahnen gewachsen zu sein. Jedenfalls gibt es seitdem eine wahre Flut an Schmalspurliteratur über die sãchsischen Bahnen, nachdem bis dahin nur der Transpress-Verlag gelegentliche Verõffentlichungen über einzelne sãchsische Schmalspurbahnstrecken herausgegeben hatte, die damals aber nur teilweise in Westdeutschland erhãltlich waren.

Begonnen hatte 1990 zunãchst der Verlag Schweers + Wall mit seinem Reiseführer "Schmalspurdampf in Sachsen", der bis 1992 in drei aktualisierten Auflagen erschien.

Der Bufe-Fachbuch-Verlag gab inzwischen Bãnde über die "Schmalspurbahn Radebeul Ost - Radeburg", über "Das Thumer Schmalspurnetz" und über "Frühere sãchsische Schmalspurbahnen nõrdlich der Elbe" heraus. Auch ein Band über "Gleisplãne und Hochbauten sãchsischer Schmalspurbahnen" ist dort erschienen.

Der Verlag Kenning hat Bücher über "Die Klingenthaler Schmalspurbahn", über "Die Weißeritztalbahn" (Freital-Heinsberg - Kurort Kipsdorf), über die "Schmalspurbahn Wolkenstein - Jõhstadt", über "Das Schmalspurnetz Mügeln" und "Das Schmalspurnetz Wilsdruff" sowie über die Schmalspurbahn "Wilkau-Haßlau - Carlsfeld" herausgegeben und plant Verõffentlichungen über die "Schmalspurbahn Grünstãdtel - Oberrittersgrün", über die "Schmalspurbahn Cranzahl
- Oberwiesenthal" und über "Schmalspur-Heizhãuser in Sachsen".

Auch der Verlag Eisenbahn-Kurier beteiligte sich an dem neuen Trend mit Büchern über "Die Rollbockbahn" (Reichenbach - Oberheinsdorf) und ebenfalls über "Die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau - Carlsfeld".

Das fast gleichzeitige Erscheinen zweier Bücher über die von Wilkau-Haßlau ausgehende erste sãchsische Schmalspurbahn, die gleichzeitig die lãngste und eine der bedeutendsten war, bietet Gelegenheit zu einem interessanten Vergleich.

Das Buch von Karl Wolf und Ludger Kenning besticht durch seine gute Druckqualitãt und das interessant gestaltete Layout. Der recht knapp gehaltene Text lãßt sich sehr gut lesen und behandelt alle wesentlichen Aspekte dieser Schmalspurbahn. Von allen Bahnhõfen wurden gut gezeichnete Gleisplãne abgedruckt. Wie die meisten Bãnde aus Kennings "grüner Reihe" hat das Buch ein Format von 22 x 21 cm.

Die Verõffentlichung von Rainer Heinrich und Gordon Parzyk aus dem EK-Verlag behandelt das Thema dagegen wesentlich ausführlicher. Der Leser erfãhrt mehr beispielsweise über die Transportleistungen der Schmalspurbahn, über die sehr zahlreichen Anschlußbahnen und den Zeitraum ihres Bestehens, über die genauen Gründe der Stillegung der Streckenabschnitte, über Oberbau und die Kunstbauten (dabei die bekannten Viadukte in Trestlework-Bauweise bei Stützengrün), über Triebfahrzeug-Umlãufe, Fahrplãne und ãhnliches. Dabei ist der Text hier nicht ganz so flüssig zu lesen. Viele Eisenbahner-Fachausdrücke werden verwendet (das Buch stammt von Eisenbahnern), und man merkt an einigen Formulierungen (" ... der  sich entwickelnden kapitalistischen Industrie ..." [S. 60] oder "Nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus ..." [S. 175]), daß eine bereits zur DDR-Zeit 1988 herausgegebene Broschüre der Bahnmeisterei Falkenstein als Grundlage diente. Und den ostdeutschen Autoren, die solche Sãtze tagtãglich mehrfach zu lesen bekamen, kann man es nicht verübeln, wenn sie jetzt darüber hinweglesen. Dem westdeutschen Leser fallen diese Sãtze aber sofort auf. Das Layout ist etwas langweiliger als bei Kenning, die Druckqualitãt (mit Ausnahme des Farbteils) nicht ganz so gut und
die Zeichnungen nicht ganz so schõn, dafür aber etwas inhaltsreicher. Das Buch hat ein Format von 23 x 16 cm.

Fazit: Der Leser, der knappe Information über die Schmalspurbahn wünscht und sich hauptsãchlich an schõnen und gut gedruckten Fotos erfreuen will, ist mit Kennings Buch gut bedient. Wer dagegen tiefer in das Thema einsteigen mõchte, sollte sich das EK-Buch kaufen. Die Abbildungen aus beiden Büchern ergãnzen sich übrigens gut, so daß man sich auch beide Bücher zulegen kann.

(Karl Wolf und Ludger Kenning, Wilkau-Haßlau - Carlsfeld. Die erste und lãngste sãchsische Schmalspurbahn. Nebenbahndokumentation Band 14. Verlag Kenning, Nordhorn 1995. 96 S. geb., 8 Farb-, 124 SW-Fotos, 20 Zeichnungen, DM 29,80.)

(Rainer Heinrich und Gordon Parzyk, Die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau - Carlsfeld. EK-Reihe Regionale Verkehrsgeschichte, Band 2. EK-Verlag, Freiburg 1995. 240 S. pb., 31 Farb-, 162 SW-Fotos, 22 Zeichnungen, DM 39,80.)

Andreas Christopher
 


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