Schmalspurbahnen in Sachsen


Bei seinem Hausverlag transpress hat das bekannte Autorenteam Erich und Reiner Preuß kürzlich ein Buch über die sächsischen Schmalspurbahnen veröffentlicht. Laut Impressum handelt es sich zwar um die erste Auflage, ältere Eisenbahnfreunde werden aber stutzig und nach kurzem Suchen in Ihrem Bücherschrank ein Buch mit gleichem Titel und vom gleichen Verlag aus dem Jahre 1983 finden. Ist das nun Nachlässigkeit des Verlages oder verspricht man sich von einer "1. Auflage" einen besseren Absatz?

Es gab schon viele Veröffentlichungen über die sächsischen Schmalspurbahnen, allerdings vorwiegend Einzelveröffentlichungen über Lokomotivbaureihen, einzelne Strecken oder Streckennetze. Ein zusammenfassendes Werk über alle Aspekte der Schmalspurbahnen gab es - zumindest in dieser Ausführlichkeit - noch nicht. Es werden alle Gesichtspunkte dieser mit einheitlichem Fuhrpark betriebenen 750 mm-spurigen und in ihrer Blütezeit über 550 Kilometer langen Schmalspurstrecken beschrieben. Der Leser erfährt in den acht Kapiteln unglaublich viele Details über die Geschichte, den Fahrzeugpark, die Strecken, die Organisation und Betriebsführung sowie die Bauwerke der Bahnen. Hierbei zeigt sich einmal mehr, daß gerade die ostdeutschen Autoren manches Mal doch sehr umfassend recherchiert haben.

Die Texte wurden gegenüber dem "Vorgängerband" (nennen wir die allererste Auflage mal so) auf den neuesten Stand fortgeschrieben. Zudem wurde etwa die Hälfte der Fotos ausgetauscht, insbesondere die motivlich sehr ansprechenden Farbfotos sind komplett neu. Auch die Bildwiedergabequalität wurde gegenüber der ersten Auflage stark verbessert. Das Layout ist moderner geworden. Zahlreiche Gleispläne, Fahrzeug- und Gebäudezeichnungen vervollständigen die Illustration. Leider hat man sich nicht dazu entschließen können, detaillierte Karten der einzelnen Strecken abzudrucken (die Karten des Vorgängerbandes waren zwar nicht besonders schön, aber besser als nichts).

Auf eine weitere Unterlassungssünde muß noch hingewiesen werden: Ein Literatur- oder Quellenverzeichnis, bei solch einem Buch eigentlich obligatorisch, fehlt. Damit hätte das Buch noch besser als Nachschlagewerk und als Quellensammlung, wie auf dem Waschzettel vermerkt, dienen können. Alles im allem aber ein sehr gutes und empfehlenswertes Standardwerk über ein interessantes Stück Schmalspurgeschichte.

transpress Verlag, Stuttgart 1998. 184 S., 235 s/w- und 48 Farbabbildungen, 49,80 DM

Andreas Christopher
 
 

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