Feldbahnen der Odenwälder Hartstein-Industrie


Im Jahre 1998 wurde im Heimat-Museum in Ober Ramstadt eine Ausstellung zum Thema „Feldbahnen am Roßberg und Wingertsberg" gezeigt. Diese beiden in der Nähe von Ober Ramstadt gelegenen Steinbrüche waren die Keimzelle der Odenwälder Hartstein-Industrie AG und entwickelten sich später auch zu deren bedeutendsten Betrieben.

Der Bruch am Roßberg unterhielt bereits ab 1888 eine über vier Kilometer lange Feldbahnstrecke in 600 mm Spurweite zum Bahnhof Ober Ramstadt der Odenwaldbahn. Als 1897 die Nebenbahn Darmstadt - Groß Zimmern in Betrieb genommen worden war, wurde eine wesentlich kürzere, nur etwa 500 Meter lange Transportbahn zum OHI-Gleisanschluß an dieser Strecke in Betrieb genommen und die Bahn nach Ober Ramstadt stillgelegt. Wenige Jahre später wurde die neue Bahn durch eine Seilbahn ersetzt, aber innerhalb des ausgedehnten Steinbruches, wo es auch Fahrstühle, Schrägaufzüge und Bremsberge gab, war die Feldbahn bis in das Jahr 1958 unentbehrlich und wurde erst dann durch gleislose Transportmittel ersetzt. Der Fahrzeugpark war ausgesprochen vielfältig. Neben vier Dampfloks von Hagans waren Maschinen von Güstrow, Deutz, Jung und Gmeinder im Einsatz.

Der bei Mühltal-Nieder Ramstadt gelegene Bruch Wingertsberg unterhielt seit 1903 eine lokomotivbetriebene Transportbahn in 720 mm Spurweite zum Bahnhof Nieder Ramstadt-Traisa. Auch hier gab es umfangreichen Feldbahnbetrieb mit Dampflokomotiven von Krauss und Jung sowie Dieselloks von Windhoff und Gmeinder. Nach dem Krieg endete hier 1956 der Feldbahnbetrieb.

Schließlich wird auch der Bruch bei Steinefrenz im Westerwald, der 1898 von der OHI übernommen wurde, ausführlich behandelt. Dort gab es auf 750 mm Spurweite zunächst elektrischen Betrieb, bevor zwei Krauss-Dampfloks der Hoechst AG übernommen und in Steinefrenz eingesetzt wurden. Auch hier kamen später Diesellokomotiven dazu, die teilweise vom Bruch Wingertsberg stammten. Erst in den sechziger Jahren wurde hier der Feldbahnbetrieb eingestellt.

Das Buch ist ausgesprochen reichhaltig illustriert. Die Druckqualität der Fotos, durchweg als Duplex, das heißt zweifarbig gedruckt, ist ganz hervorragend, und auch das Layout ist eine Meisterleistung an sich. An Druck und Gestaltung des Buches kann sich mancher Eisenbahnverlag ein Beispiel nehmen. Die Abbildungen bieten oft sagenhafte Motive von den früher hochmodernen technischen Einrichtungen zu Gesteinsgewinnung und Materialtransport, auf die der Betrieb früher stolz war und daher mit zahlreichen Fotos dokumentierte. Zum Glück sind sie erhalten geblieben und werden in dieser Schrift vor dem Vergessen bewahrt.

Das Buch, in dem auch zahlreiche Faksimiles im Original wiedergegeben werden, wurde vorwiegend für Heimatfreunde produziert. Deshalb finden sich natürlich keine von der Eisenbahn-literatur her bekannte exakten Loklisten. Aber der Autor ist selbst Feldbahnfreund, und somit sind die notwendigen Angaben in den Bildunterschriften und im Text sachkundig und die Fabrikdaten, soweit bekannt, in den Bildunterschriften zu finden.

Fazit: Ein hervorragendes Buch für den Werksbahnfreund, noch dazu zu einem sehr günstigen Preis und in hoher Qualität.

„Feldbahnen der Odenwälder Hartstein-Industrie - Bilder und Dokumente einer Spu-rensuche" von Berthold Matthäus. Ober Ramstadt 2000. 96 Seiten im Format DIN A4, Broschur, 145 S/W-Fotos, zahlreiche Zeichnungen und Faksimiles. Herausgeber: Verein für Heimatgeschichte, 64372 Ober Ramstadt. ISBN 3-9805727-2-2. Preis: 28,00 DM. Bestellungen über Liesel Schweitzer, Postfach 1155, 64368 Ober Ramstadt.

Andreas Christopher

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