Die Harkort'sche Kohlenbahn

Allzu viel war bislang über die Harkort’sche Kohlenbahn nicht veröffentlicht worden. Mir ist bislang nur ein Bericht aus dem Jahr 1973 in der Zeitschrift „Die Industriebahn“ von Ernst Julius Wolff bekannt. Ansonsten stieß man bei Fahrzeugforschungen ab und zu auf Lokomotiven, die bei der Harkort-Bahn oder der Hasper Hütte eingesetzt waren, beispielsweise stammen einige Lokomotiven der Selfkantbahn von dort. Dabei war die Harkort’sche Kohlenbahn (offiziell Schlebusch-Harkorter Eisenbahn) eine der ältesten Bahnen in Deutschland überhaupt. Bereits Ende 1829 ging sie in Betrieb, zunächst als Pferdebahn mit Holzschienen und darauf befestigten Bandeisen. Spätestens im Jahre 1876 war die Bahn soweit ertüchtigt, dass nun auf Dampftraktion umgestellt werden konnte. Bis zur Stilllegung im Jahre 1966 blieb es dabei.

Die Bahn diente anfangs der Kohlenabfuhr der bei Silschede gelegenen Zeche der Gewerkschaft Schlebusch zur Harkort’schen Fabrik bei Haspe und ab 1858 auch der Hasper Hütte. Nachdem 1889 eine Normalspurbahn nach Silschede gebaut wurde, gingen die über die Kohlenbahn transportierten Frachtmengen spürbar zurück und 1900 endete der Betrieb zunächst. Aber ab 1905/07 wurde der Abschnitt von Haspe bis Enerke von der Hasper Hütte zur Schlackenabfuhr auf die bei Enerke gelegene Schlackenhalde verwendet, und der andere Abschnitt von Silschede bis Steverling wurde ab 1921 von der Firma Peyinghaus, später Knorr-Bremse, für Materialtransporte vom Werk zum Bahnhof genutzt. 1960 stellte die Knorrbahn den Betrieb ein, und 1966 auch die Schlackenbahn der Hasper Hütte.

Das Buch weist – für die Sutton-Bücher typisch - nur einen knapp gehaltenen Text auf, der gegenüber dem Bericht von Wolff keine gravierend neuen Fakten bringt. Der Schwerpunkt des Buches liegt eindeutig auf dem sehr umfangreichen Bildteil, der viele hervorragende und seltene Aufnahmen enthält. Ein großer Teil davon liegt sogar in Farbe vor. Motivauswahl und Druckqualität sind gut, besonders in Anbetracht des Alters der Aufnahmen.

Das Buch enthält auch Loklisten der Normal- und Schmalspurloks der Hasper Hütte und einige Pläne, wobei der Streckenplan der Kohlenbahn (aus dem Wolff-Beitrag) leider erst auf Seite 63 zu finden ist. Er hätte an den Anfang gestellt werden sollen. Ein weiteres kleines Manko beim Layout ist der nur einspaltige Text, der in Anbetracht der Breite der Buchseite doch etwas schwer zu lesen ist. Ein zweispaltiger Satz wäre hier besser gewesen. Alles in allem aber ein Buch, das man wegen der tollen Bilder noch öfter in die Hand nehmen wird.

Die Harkort’sche Kohlenbahn und Werksbahn der Hasper Hütte. Von Michael Schenk. Erfurt 2009. 96 Seiten, Format 34x17 cm, Paperback. 95 SW- und 61 Farbfotos sowie 8 Zeichnungen und Faksimiles. Sutton Verlag, Erfurt. ISBN 978-3-86680-466-4. Preis 17,90 Euro

Andreas Christopher

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