Die Frankfurter Lokalbahn AG


Bisher hatte der Rezensent, abgeschreckt durch die schrill-bunte Reklame, eigentlich einen großen Bogen um die Produkte des GeraNova-Verlages und seiner Tochterunternehmen gemacht, weil er hier Verlagsprodukte analog zur Regenbogenpresse vermutete. Ganz zu Unrecht jedoch, wie das vorliegende Buch beweist.

Das Werk über die Frankfurter Lokalbahn mit ihrem Netz von Kleinbahnstrecken zwischen Frankfurt am Main und dem Taunus besticht sowohl von der Leistung der Autoren als auch von der handwerklichen Fähigkeit des Verlages. Das Buch ist solide produziert, das Schriftbild angenehm lesbar und das Layout modern und optisch gut gelungen. Der Farbdruck ist ausgezeichnet, während die Schwarz-Weiß-Fotos ein klein wenig kräftiger hätten wiedergegeben sein können.

Die Autoren berichten von den Anfängen der Frankfurter Lokalbahn AG, als diese Gesellschaft eine erste Strecke zwischen Eschersheim und Heddernheim eröffnete, beides inzwischen längst nach Frankfurt eingemeindete Dörfer. Diese Verbindung wurde zunächst als Pferdebahn betrieben, aber schon kurze Zeit darauf  auf Dampfbetrieb umgestellt. Später kam eine vorwiegend dem Güterverkehr dienende Dampfkleinbahn zwischen dem Bahnhof Oberursel und der Hohen Mark hinzu. Und schließlich entstanden elektrifizierte Überland-Strecken zwischen Heddernheim und Oberursel sowie Bad Homburg, auf denen der Personenverkehr straßenbahnmäßig und der Güterverkehr mit Dampf- Diesel- und Elloks abgewickelt wurde.

Außerdem besaß die FLAG bzw. deren Konzernmutter auch die Straßenbahn in Bad Homburg, welche zwischen 1899 und 1935 in der Kurstadt ein Netz von Linien bis hinauf zum Römerkastell Saalburg auf dem Taunuskamm betrieb.

Seit 1955 betreiben die Stadtwerke Frankfurt am Main die Überlandlinien nach Bad Homburg und nach Oberursel/Hohe Mark, die bereits vor vielen Jahren in das Stadtbahnnetz integriert wurden und heute mit U-Bahn-Fahrzeugen im dichten Takt befahren werden.

Alle diese Bahnen werden von den Söhnlein und Leindecker sachkundig und mit vielen Details beschrieben. Den Texten merkt man das lange Quellenstudium der Autoren an. Zahlreiche historische Fotos wurden ausgegraben, u.a. aus den Archiven von Günter H. Köhler und Karl-Heinz Arbogast. So entstand ein höchst interessantes Buch, das in der Straßenbahn- und Kleinbahn-Literatur Akzente setzt.

ĄDie Frankfurter Lokalbahn und ihre elektrischen Taunus-Bahnen" von Walter Söhnlein und Jürgen Leindecker. München 2000. 160 Seiten im Format 17 x 24 cm, gebunden, 50 Farb- und 73 S/W-Fotos, 16 Zeichnungen und Faksimiles. Herausgeber: GeraMond Verlag, 80632 München. ISBN 3-932785-04-5. Preis: 39,50 DM

Andreas Christopher
 


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